Freitag – Heimreisetag.

Der Plan ist einfach und brilliant. Ein Hin-/Rückfahrtticket für lächerlich günstige 197,- € bestellen, nach Schwandorf kommen, in den Zug steigen, nach Nürnberg fahren, in den ICE steigen, nach Köln fahren, abgeholt werden, glücklich sein.

Soweit der Plan.

Die Praxis gestaltete sich minimal anstrengender und nervenaufreibender. Zu aller erst ist der Höllenritt nach Schwandorf zum Bahnhof zu erwähnen. „Klar“ sagt der Azubikollege. „ich fahr voraus, fahr mir einfach nach.

Und wenig später versuchte ich einem Golf mit Turbolader hinterher, der mit 100 über eine bucklige Landstraße preschte auf der eigentlich nur 60 und stellenweise 80 erlaubt war (zu recht. Auf der Straße will man eigentlich nicht schneller fahren). Angesichts dieser Motirisierung im Alter von gerademal 18 Jahren liegt eigentlich der Schluss nahe, dass die Karre sponsored by Pappi ist und der Fahrstil kein Fahrstil sondern blanke Idiotie gekoppelt mit Unerfahrenheit und Leichtsinn ist….und nebenbei der Grund dafür, dass unsereins monatlich 80€ KFZ-Versicherung zahlen darf. (Für die langsamen: Höheres Unfallrisiko in einer bestimmten Altersgruppe -> hohe Versicherungskosten)

Nebenbei war es im Strömen am regnen und neblig. Aber egal. Irgendwie kam ich schließlich beim Park ´n Ride Parkplatz des Bahnhofs an und stellte erleichtert meine Karre ab. Ab jetzt hieß es schließlich „entspannt“ Bahnfahren.

Mit einem gewohnten sanften KLACK verriegelte die Zentravlverriegelung mein Auto. Routiniert wandte ich mich vom Auto ab. „KLACK“ machte es wieder. Ungläubig drehte ich mich um. Wieso waren denn die Stifte wieder oben? (Diese Dinger in der Tür, die rauf gehen wenn auf is und runter, wenn zu is… ) Wieder den Schlüssel ins Schloss und abgeschlossen. Die Stifte verschwanden wieder in der Versenkung…..um etwa 2 Sekunden später wieder hervor zu springen. Mein Auto schloss sich selbstständig, wie zum trotz, wieder auf.

Auch der 137. Versuch, sich mittels Augenschließen-und-bis-5-zählens an einen anderen Ort zu transportieren scheiterte. Ich bildete mir ein, ein hämisches Lachen aus der Ferne zu hören, drehte mich um und sah nur einen alten Herrn mit Schirm durch den strömenden regen marschieren. Er nahm keinerlei Notiz von mir. Wutentbrannt schlurfte ich zur Beifahrertüre….keine Besserung. Wieder rief ich meinen Erzeuger an. „Ist eine der Türen irgendwie blockiert und schließt nicht richtig?“ Ist der einzige –wenn auch gut gemeinte – Vorschlag. Mir rannte die Zeit davon. In 10 Minuten (Ja, wie Herr Stoiber sagt, sie steigen IN den Hauptbahnhof ein!) würde mein Zug Richtung Nürnberg kommen.

Ich ließ den Wagen einfach stehen, mit „scharfer“ Alarmanlage, aber komplett offen. Ich hätte die Karre eigentlich auch direkt vor das Bahnhofsgebäude stellen können und mit großen weißen Buchstaben „Demontier mich und vergiss nicht, das Radio und die Boxen mit zu nehmen“ auf den roten Lack schreiben können.

Mit dem großen Koffer an der einen Hand, den Rucksack auf dem Rücken und dem Schirm in der anderen Hand, eierte ich über den randvollen Parkplatz (ich hoffe einfach mal, dass die da stehen bleiben übers Wochenende…dann fällt mein Auto net so auf… ) zum Bahnsteig. Was nun folgte, war eigentlich auch nicht mehr der Rede wert. Außer, dass ich nicht gedacht hätte, dass eine Stadt wie Nürnberg (die an der Autobahn als „Metropolenregion Nürnberg“ mit x Schildern angepriesen wird) so einen abgefuckten Bahnhof haben kann. Dreckig, nur teilweise überdacht und zugig. Habe mir den Arsch abgefroren und als der ICE endlich kam, stand ich durchfroren und durchnässt neben einer Infotafel und stolperte zähneklappernd durch die Menschenmenge.

Okay, vielleicht hätte ich einfach eine dickere Jacke mitnehmen sollen. Aber das weis man doch nicht, wenn man in strahlendem Sonnenschein bei 18 grad nach Bayern fährt…

Außerdem bleibt noch hinzu zu fügen, dass ICE fahren viel unspektakulärer ist, als gedacht. Irgendwie so ähnlich, wie in einem Reisebus mit Steckdosen an den sich-automatisch-der-sitzhaltung-anpassenden-Sitzen, und komischen abgefuckt aussehenden Anzugträgern, die mit Blackmusic in den Kopfhörern irgendwelche SAP-Powerpointpräsentationen zusammenklicken…..die halt mit 300 durch die Landschaft fahren. Ohne Fahrgeräusche.

Um halb acht Abends nahmen mich dann meine Eltern am Kölner Hbf in Empfang. Und jetzt sitze ich hier….im trauten Heim….ohne Zigarettendunst an meinem eigenen PC mit Internetzugang und schreibe dies hier alles auf, um nicht alles hundert Mal erzählen zu müssen.

Und eins weis ich…..ich will da nicht wieder hin…

Ich hoffe, dass diese restlichen 3 Wochen schnell vorüber gehen und zähle die Stunden…nein, eher Sekunden, bis ich wieder da hin muss.elg

29.9.07 14:12, kommentieren

Was wäre man ohne Arbeitskollegen…

Ein (zumindest anfangs) eher positiver Part.

Meine Azubikollegen sind wirklich freundlich und nett. Auch wenn ich nur jedes vierte Wort verstehe, weil ich mit diesem furchtbaren Dialekt einfach nicht zurecht komme. Man hält zumindest augenscheinlich zusammen und hat mir auch angeboten, mal das „Nachtleben“ Schwandorfs zu erkunden, was allerdings flach fällt, da ich ja am Wochenende sowieso net da bin (Gott sei Dank). Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, ist dass mir vorgeworfen wird, man würde mich auch schlecht verstehen, weil ich ja „dieses Hochdeutsch“ spreche. Ich meine…..WTF („What the Fuck“ = Was zum Teufel&hellip wie ignorant kann man denn sein? Aber egal… mir sehr egal irgendwie. Es ist ungewohnt und irgendwie toll, endlich etwas wie gleichgestellte in der Firma zu haben, mit denen man sich über Dinge austauschen oder aufregen kann.

Allerdings gibt es – natürlich -  auch in einer augenscheinlich „perfekten“ Firma, in wunderbarer naturbelassener Umgebung, mit hervorragender Arbeitsatmosphäre, gibt es sowas wie…Emporkömmlinge und Leute, die sich in absolut alles einmischen können. Aber darauf will ich nicht unbedingt näher eingehen. Es wäre etwas zu müßig, das alles zu „papier“ zu bringen und in der Gesamtheit etwas langweilig (wie eigentlich dieser ganze Blog, aber das ist ja Sache des Betrachters). Es ist Donnerstag. Bald ist endlich Freitag.

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DAS ist mein Tag. Montag bis Freitag.

Es ist wie besagter Brei, als würde man das alles ausblenden, versuchen das zu ignorieren, schlafwandlerisch durch den Alltag schlurfen. Eine Pflichtübung, bei der man in jeder Sekunde, in jedem Augenblick daran denkt, es hoffentlich bald hinter sich zu haben.

 

Das klingt ziemlich elend, ist es auch… aber ich komme mir irgendwie blöd vor, wenn ich das „allen“ erzähle. So selbstmitleidig, wehleidig. Und so was kann ich eigentlich nicht leiden….

29.9.07 14:11, kommentieren

The Pain

 

Was nun folgt, ist der zähe Ablauf des Alltages, der sich recht schnell einstellt und langsam aber sicher zu einem Brei aus Taubheit, Gleichgültigkeit und Automation verschwimmt. Man steht morgens auf, macht sich sein Brot für die Arbeit, geht arbeiten, kommt müde heim, macht sich wieder was zu essen,  schlägt Zeit tot und geht wieder pennen.

Das will ich eigentlich grob aus diesem Bericht ausklammern, aber die Hindernisse, die mir dabei in den Weg kamen, will ich trotzdem kur umreißen.

Das fängt schon morgens, genau beim Aufstehen an. Ich werde von einem Fußballkommentator geweckt. Gerade als dieser aufhört zu reden wie ein Wasserfall, kommt ein Fußballmoderator zu Wort, der wiederum eine Spielanalyse einleitet. Der Sender, auf den ich den Wecker am Vortag gestellt hatte, hat wohl doch nicht nur zum Zeitpunkt des Einstellens zufällig über Fußball berichtet….es schien tatsächlich ein Sender zu sein, der die ganze Zeit Fußball thematisiert. Gut für Leute mit Affinität zum Fußball, schlecht für Leute wie mich, die eigentlich von Musik geweckt werden wollten.

Aber egal. Erstmal aufstehen. Rein in die Klamotten und planlos durch die verlassen wirkende Wohnung laufen. Als ich irgendwie ein Brettchen und ein Messer gefunden hatte, fiel mir plötzlich ein, was ich noch vergessen hatte.

Eigentlich hatte ich genug Lebensmittel für die ersten Supermarkt-losen Tage mitgenommen….. Bis auf Aufschnitt und jeglichen anderen Brotbelag (Margarine ausgenommen, die hatte ich seltsamer Weise dabei) Der Rest lag nämlich noch zu Hause im Kühlschrank, wie mir schlagartig bewusst wurde.

Ratlosigkeit…..gepaart mit Zeitknappheit.

Als ich zur Arbeit aufbrach, hatte ich drei Toastbrote mit Wurst dabei, die ich mir von meinem Wohnungsgenossen geklaut hatte. (Im Kühlschrank war eigentlich nur Bier, Senf, mehr Senf, etwas Käse und ´ne Packung Bockwürste…. Außerdem ne Packung Schinkenwurst, die mir wahrscheinlich Gott himself aus Mitleid in den Kühlschrank gesandt hat.) Ich nahm mir ejdenfalls fest vor, das meinem Wohnungsgenossen zu beichten, wenn ich wieder kam.

Um wiederkommen zu können, muss man allerdings erstmal irgendwo hin gegangen oder gefahren sein. Und dies egstaltete sich gar nicht so einfach, wenn man berpcksichtigte, dass ich den Ort vorher ebstimmen wollte, zu dem ich wollte.

Mit anderen Worten: ich habe mich natürlich total verfahren. Die halbe Stunde, die ich für die nicht ganz 10 kilometer eingeplant hatte, war nun schon um 5 minuten überschritten. Ich würde zu spät zur Arbeit kommen, bei der ich zu diesem Zeitpunkt verzweifelt an rief. Ich stand irgendwo in der Pampa am Straßenrand. Natürlich mit Warnblinkanlage an. Abseits der unebenen Landstraße konnte man keine 2 Meter weit sehen, überall war Nebel. Um viertel nach 7 ging endlich die Dame vom Empfang ran, meinte ich hätte mich total verfahren und ich hätte ganz am Anfang eigentlich nur geradeaus fahren müssen, statt hundert mal sinnlos ab zu biegen.

Um halb 8 kam ich schließlich bei der Firma an. Nur zur Erklärung, der eigentliche und richtige Weg beinhaltet genau zwei Kreisverkehre, wovon man den einen auch noch nur gerade aus weiter fahren muss…. Der Rest ist Landstraße folgen…. Insgesamt vielleicht ne viertel Stunde fahrt.

Aber okay, der erste Arbeitstag konnte beginnen.

Da weder das Einscannen von Rechnungen in der Buchhaltung, noch das hundertmalige Beantworten der Fragen „Und, wie finden sie es hier im SCHÖNEN (und ja, das wird immer so betont) BAYERN so?“ und „Anreise gut überstanden“ und natürlich“ Wo sind sie untergebracht“ gefolgt von „Wie ist es?“, sonderlich spannend sind, überspringe ich dies hier einfach mal.

Nichtsdestotrotz muss man allerdings sagen, dass die Leute hier versuchen stets nett zu sein und man mir mit Rat und Tat zur Seite steht.

Bevor ich den Rückweg zur Wohnung antrat, ließ ich mich noch ins nahe gelegene Schwandorf lotsen, wo man – nur 10 km von der Wohnung entfernt – einkaufen konnte. Es gab in Form eines Gewerbegebiets eigentlich alles, von Supermarkt (Globus) über Baumarkt (Obi) bis zum Medimax und McDonalds eigentlich alles, was es hier halt auch gibt.

Bevorratet und halbwegs „nicht mehr ganz so orientierungslos“ überlebte ich also auch den zweiten Tag. Achja, Helge nahm die kleine Aufschnitt-Komplikation mit Fassung.

Am Mittwoch traf endlich der herbeigesehnte Adapter ein. (Und für alle Schlauberger, nein….der eben genannte Medimax hatte selbstverständlich NICHT einen solchen Adapter im Angebot) Ratz Fatz war wieder alles angeschlossen.

Doch als ich den Monitor an die Stromzufuhr anklemmen wollte, machte es plötzlich ZIPP und ein leicht verplanter Blick zum Wecker auf dem Nachttisch, sowie das „EYYY“ aus der Küche verrieten mir, dass wohl der FI draußen war. (Für die keine-Ahnung-haber: Die Sicherung halt). Gut, mit einem leicht peinlich berührten „Ich wars“, schlurfte ich in den Flur und legte den Schalter wieder um.

Meine erste Überlegung war, dass ich vielleicht das womöglich schwache Stromnetz überlastet habe, schließlich war da einer am kochen und das Fernsehen lief auch….außerdem das Radio in der Küche.

Man weis ja nie. Jedenfalls machte ich den Fernseher und alle anderen greifbaren Geräte aus und probierte es wieder. ZIPP Sicherung raus.

Ein Typ in Jogginganzug und Helge standen in der offen stehenden Zimmertür.

„Was machstn da?“

fragte der Jogger, der wohl dieser Thomas war.

In diesem Augenblick musste mein Zimmer wohl eher wie der Keller eines Klischee-PC-Nerds aussehen, der gerade dabei war, seine geheime „Kommandozentrale“ einrichtete.

Während ich also versuchte den beiden zu erklären, was eine Xbox ist, und dass ein CRT-Monitor kein Teufelswerk ist, dass Radios und Fernseher kaputt macht, ging mir auf, dass wohl die Sicherung des Monitors übern Jordan war…oder vlt. Doch n kurzer im Kabel (anm. d. Gequälten: Ein Kurzschluss im Kabel).

Seufzend schlug ich innerlich meinen Kopf wieder und wieder gegen die Wand und ließ die Xbox Xbox sein. Immerhin hatte dieser Heckmeck zur Folge, dass ich meine XBox an den Fernseher im „Gemeinschaftsraum“ anschließen und mich mit den Mitbewohnern auf eine Lars-nimmt-den-Fernseher-für-sich-in-Beschlag-Zeit einigen konnte.

Diese Lars-nimmt-den-Fernseher-für-sich-in-Beschlag-Zeit  erstreckte sich ungefähr von 17 bis 17.30 Uhr und von 20 bis lars-kann-vor-Müdigkeit-die-Augen-nicht-mehr-Aufhalten-Uhr

Zusammengefasst sah also mein Tagesablauf ab nun wie folgt aus.

Ich stehe auf und mach mich fertig für die Arbeit, fahre zur Arbeit, langweile mich zu Tode, fahre gegen 4 „nach Hause“, komme rein, rieche den Geruch von in der Luft hängendem kalten Zigarettenrauch und Nikotin, weil Helge eigentlich nichts anderes macht, als zu arbeiten, in der Küche zu rauchen und Bier zu trinken und anschließend pennen zu gehen. Ich gehe an der Küche vorbei, vorbei an Thomas, der in seinem lila Jogginganzug auf der Couch sitzt und bei einem Bier Gerichtsshows guckt, in mein Zimmer. Ich genieße die Ruhe und versuche den laut aufgedrehten „Sound“ von Richter Alexander Hold zu ignorieren und telefoniere mit der Heimat. Anschließend schaufele ich Cornflakes in mich hinein und setze mich ans nun freigewordene TV, bis Thomas wiederkommt und unbedingt Mutant X und Stargate auf Tele5 gucken will. Es folgt gelangweiltes herumsitzen, SMS schreiben und warten. Mit Thomas fernsehen ist übrigens keine Alternative. Ich halte es nicht aus mit diesem Typ in einem Raum zu sein, der rülpsend und fingernägel-kauend da sitzt und sich wie ein Zombie bewegt.

Anschließend habe ich den Fernseher und die Xbox wieder für mich alleine, genieße die Ruhe ab 8 Uhr, wenn meine Mitbewohner pennen und koche mir evtl. noch was, je nachdem wie müde ich bin. Anschließend falle ich totmüde ins Bett.


1 Kommentar 29.9.07 14:10, kommentieren

….continues (Tag 1)

 
Die Hinfahrt an sich war nicht so furchtbar wie vorher egdacht. Zwar sind 600 km schon ein bisschen anstrengender zu fahren als 50km (länger bin ich vorher nie am Stück gefahren) Aber im Großen und Ganzen ist 400 km A3 lang fahren auch nicht soooo anspruchsvoll und Nervenaufreibend. Nur bei den Ausfahrten wurde es dann etwas kritischer. Vor Regensburg häuften sich irreführende Abfahrten. Ich wollte doch gar nicht nach Prag. Ich wollte runter auf die A6 fahren…und auch nicht nach München… Und schon war ich an der Abfahrt vorbei, die ich hätte nehmen müssen. Auf der A9 Richtung München. Panik, Seitenstreifen, Warnblinkanlage an. Papa angerufen. Der bleib ganz gelassen, sagte ich solle einfach die nächste abfahren und zusehen, dass ich einfach wieder auf die Gegenspur drauf fahre. Dann einfach die richtige Abfahrt nehmen.

Das klappte dann….trotz der absoluten Wildnis nahe Nürnberg auch irgendwie. Erstaunlicher Weise habe ich dann auch ohne großes Verfahren aber mit viel 50-obwohl-eigentlich-100-erlaubt-ist-fahren den richtigen Weg nach Steinberg am See gefunden. Ja, so hieß der Ort an dem ich unter kam. Auch wenn irgendwie kein See in Sicht war.

Am Appartment(bzw. eher Wohnung, klingt aber weniger erhaben) angekommen, öffnete ein kleiner Jonas  im nicht-in-die-viel-zu-hoch-gezogene-Bundfalten-Hose-gesteckten frisch gebügelten Hemd und altmodischer Topffrisur und laufender Nase. Entgeistert starrte Jonas mich an und blieb im Eingang stehen . Unshclüssig fragte ich, ob sowas wie Eltern zu Hause sind. Wie paralysiert drehte Jonas sich um, woraufhin ich laut und deutlich seinen Namen erfuhr. „JOOOONAAAAS, I HAB DI DO GSOGT DU SOLL DI TÜÖ NI IMMA UFFMOCHA!“

Mit leicht skeptisch hochgezogener AUgenbraue blieb ich stehen und ahrrte der Digne die da kamen. Und plötzlich stand eine überraschend freundlich dreinschauende Frau in der Tür, während Jonas das Weite suchte. Sie erkundigte sich flüchtig danach, wie die Anreise verlaufen war und führte mich ins obere Stockwerk. Ich war viel zu müde und viel zu kaputt von der ganzen Aufregung, als dass ich den vielen Worten zur Wohnung und den Einrichtungsgegenständen hötte großartig Aufmerksamkeit schänken können und trottete mehr wie schlafwandelnd hinter der Hausbesitzerin her. Im „Gemeinschaftsraum“ (das Wohnzimmer) hockte erstmal ein ziemlich abgefuckter Typ mit seiner Bierflasche in der Hand. Er faselte irgendwas von „weiblichen besuch“, den man hier oben ja eher selten bekäme und schäkerte ein wenig mit der vorbeigehenden Hausbesitzerin. Das Zimmer war gar nicht so schlecht. Hohe Decke, „gemütlicher“ PVC-Boden, ein Ehebett, ein großer Schrank, n Tisch und 2 Stühle. Und natürlich zu wenig und völlig bekloppt verteilte Steckdosen. In Gedanken schon den Monitor und die Xbox gegenüber vom Bett aufbauend, nahm ich den Schlüssel entgegen und schleppte wenig später den mitgebrachten Krempel ins Zimmer. Nachdem ich die Klamotten grob in den Schrank geräumt und mich weitgehend einegrichtet hatte, ebshcloss ich dem Rest der Wohnung erstmal keine Beachtung zu schenken und meine Xbox auf zu bauen. In weiser Voraussicht habe ich nen PC-Bildschirm mitgebracht, weil ich wusste, dass der Fernseher a) nicht im Zimmer steht und b) von anderen mitgenutzt wird. Müde positionierte ich den Monitor auf dem Tisch und schloss die XBox an.

Aber halt!

Einem Lichtblitz gleich durchschoss mich eine vernichtende Erkenntnis, als der Stecker des Monitors auf das Adapterkabel der Xbox stieß….. Ich habe das VGA-Adapter vergessen….Und für alle, die sich darunter jetzt ein Fußballgroßes Gerät aus Kunststoff vorstellen, wo tausend Stecker und Buchsen herausquellen, mit einem meterlangen Kabel….nein, es handelt sich um http://www.weisd.com/store2/CABADP-1720.jpg sowas hier. Ein kleines Steckerchen, das nicht mal so groß war wie ´ne Batterie. Verfluchte Kacke! Fassungslos und viel zu müde, um einen mittleren Wutanfall zu bekommen, starrte ich auf das Ende des Kabels. Wie von weit her drang der Ton irgendeiner Wurstreportage aus dem neben an gelegenen Wohnzimmer durch die viel zu dünnen Wände. Wie in einer Art Flashback schossen mir Szenarien durch den Kopf, wie langweilig es nun hier werden würde. Weder Internet, noch PC, noch Bekannte/Freunde, noch (nutzloses weil ohnehin schlechtes Programm) Fernsehen…. Und es war erst halb 7 Uhr abends. Wieder ging das Handy meines Vaters. Am anderen Ende ein müder und grenzenlos genervter Sohn, der fragt, ob er nicht in seinem Zimmer nach dem Adapter suchen könnte, es müsse schließlich in einer der Schubladen sein…Eine Stunde später meldete der Vater sich wieder.

Ich hatte inzwischen meine Klamotten sortiert, den Wecker gestellt und sinnlos herumgesessen. Endergebnis: Er würde den Stecker Montag mit der Post schicken.

Angesichts der überwältigenden Langeweile, beschloss ich erstmal den Rest der Wohnung in Augenschein zu nehmen, der eigentlich nicht der Rede wert war. Küche, Scheißhaus und Wohnzimmer halt, die gemeinschaftlich genutzt wurden. „Gemeinschaftlich“, bedeutete, dass ich mir diese Räume mit zwei Mitbewohnern teilen sollte. Einer davon saß mit einer Flasche Bier im Feinrippmuscleshirt und Jogginghose auf der Couch und guckte sich gerade die Herstellung von Salami an.

„Lars“

meinte ich knapp und gab dem Typen die Hand. Dieser stellte sich als Helge vor und fragte mich wenig später, wo ich herkomme und was ich hier mache. Erst jetzt fiel mir der unfassbare sächsische Akzent auf.

Helge ist ein Leiharbeiter. Der bei ´nem bayrischen Autohersteller in der Nähe Sitze macht. Es vergingen keine 5 Minuten, bis er mir seine politische Ausrichtung mitteilte. Er käme ausm Osten und wenn’s anch ihm ginge, „hättens´die Mouer uch zweje meter höuer boue könne“. Mit andren Worten: Eigentlich  Unding, aber egal.

Den Rest des ersten Abends in Bayern verbrachte ich also mit pseudopopulistischen Aussagen, die auch aus der Bild oder ähnlichem hätten stammen können….garniert mit leicht rechtsradikalen Tendenzen. Kurz: Stammtisch-Gelaber…..achja und dem glohreichen Abendprogramm im TV, dass ich ab etwa halb 9 sogar selber bestimmen konnte, weil „Helge“ sich da aufs Ohr hauen musste. Im Laufe des Gesprächs fiel auch 2 oder 3 mal der Name „Thomas“. Thomas ist der andere Mitbewohner, doch den sollte ich erst am Mittwoch kennen lernen, wo ich schon gar nicht mehr daran gedacht hatte, dass es noch ´nen zweiten Mitbewohner gab.

1 Kommentar 29.9.07 14:06, kommentieren

The Beginning of the End….

 
Es ist Donnerstag. Am nächsten Montag werde ich schon in Bayern arbeiten. Die Berufsschule ist gerade aus und ich steige auf dem Parkplatz in mein Auto ein. Ich bin mit Fahren dran, also werde ich meine Fahrgemeinschaft die 45 km nach Hause fahren. Aber was ist das denn? Eine etwa 3 mm breite Linie zieht sich hübsch geschlängelt über meine Windschutzscheibe. (von unten links quer über die Scheibe) Es dauert ungefähr 5 sekunden, bis ich gepeilt habe, was das soll. Ungläubig starre ich auf den Riss und steige aus. Von einem kleinen Einschlag am unteren Rand der Scheibe ausgehend, hat sich ein Riss gebildet. Die Kinnlade wandert ein Stückchen nach unten und der blick wird irgendwie leer und ausdruckslos. Praktisch wie immer, nur halt mit noch mehr schlechter Laune.

„700€, inkl. Ihrer Selbstbeteiligung.“ Meint der freundliche Fiat Mann. „Zahlbar bei Abholung“. „gut“ hätte ich mir denken können. „haste ja noch was Zeit, musst ja auch jetzt erstmal nicht fahren…. Kannste ja noch warten bis es Gehalt gibt.“ Aber nein….da ist ja noch diese 4 Wochen Geschichte. Gehalt gibt es mitten in der Woche, in der ich bereits in Bayern bin. Ich muss für Benzin etc in Vorkasse gehen und bekomme das Geld dafür erst wenn ich in Bayern ankomme. Aber hey…der freundliche Fiat Mann lies sich auf nen Deal ein und ich brauchte erstmal nur 200 aufn Tisch zu legen. Die restlichen 100 halt am Monatsanfang.

Mit neuer Fensterscheibe fuhr ich also am Freitag wieder nach Hause. Dann konnte der Sonntag (Tag der Abreise) ja kommen…

29.9.07 14:05, kommentieren

Der Höllentrip ins Elend

Tja, wo fange ich an…. Am besten am Anfang…


Im Rahmen meiner Ausbildung zum Industriekaufmann, kam meine glohrreiche Firma auf die Idee, mich nach Bayern zu schicken. Ins Hauptwerk. Damit ich mal sehe, wie da gearbeitet wird und auch da mal arbeiten kann, um mein unglaubliches Können und meine sagenhafte Kompetenz demonstrieren zu können. Zum Vergleich: Der Betrieb hat etwa 160 Mitarbeiter, das Werk West (wo ich arbeite) hat ca. 30.

Ändert aber nichts daran, dass wir das gleiche machen und im Prinzip die gleichen Abläufe stattfinden. Aber egal. Man will mich für Unkosten in Höhe von grob geschätzt 2000€ für Wochen da rutner schicken, also mache ich das. Vlt. Bedeutet das ja, dass dem Betrieb an mir was gelegen ist und ich danach übernommen werde….außerdem ist es ja eine Probe meiner Selbstständigkeit und bestimmt ne nette Erfahrung.

Ja…gut, soweit die Versuche mir krampfhaft was positives ein zu reden.

Zunächst sind vielleicht die organisatorischen Überlegungen bzw. Planungen zu nennen:

Ich erfahre ungefähr ´ne Woche vor Antritt der Reise, dass ich mit meinem 13 Jahre alten Fiat Punto die 600 km da runter fahren soll (30 cent km-geld). Dort beziehe ich ein kleines Appartment (dazu später mehr) und fahre dann die 10 km von da aus mit meiner Karre zur Arbeit. An den Wochenenden darf ich auf Firmenkosten mitm Zug nach Hause fahren (Freitags Mittags) und Sonntags Abends muss ich dann wieder in Bayern sein. Am Ende der 4. Woche fahre ich dann mit meinem Auto wieder nach Hause und kann dann in der Heimat weiter arbeiten. In diesen 4 Wochen werde ich in jeder Woche in einer anderen Abteilung arbeiten, um möglichst viel mit zu kriegen. Achja und Spesen für jeden Tag gibet auch.


Klingt ja jetzt doch eigentlich ganz okay.

1 Kommentar 29.9.07 14:03, kommentieren