….continues (Tag 1)

 
Die Hinfahrt an sich war nicht so furchtbar wie vorher egdacht. Zwar sind 600 km schon ein bisschen anstrengender zu fahren als 50km (länger bin ich vorher nie am Stück gefahren) Aber im Großen und Ganzen ist 400 km A3 lang fahren auch nicht soooo anspruchsvoll und Nervenaufreibend. Nur bei den Ausfahrten wurde es dann etwas kritischer. Vor Regensburg häuften sich irreführende Abfahrten. Ich wollte doch gar nicht nach Prag. Ich wollte runter auf die A6 fahren…und auch nicht nach München… Und schon war ich an der Abfahrt vorbei, die ich hätte nehmen müssen. Auf der A9 Richtung München. Panik, Seitenstreifen, Warnblinkanlage an. Papa angerufen. Der bleib ganz gelassen, sagte ich solle einfach die nächste abfahren und zusehen, dass ich einfach wieder auf die Gegenspur drauf fahre. Dann einfach die richtige Abfahrt nehmen.

Das klappte dann….trotz der absoluten Wildnis nahe Nürnberg auch irgendwie. Erstaunlicher Weise habe ich dann auch ohne großes Verfahren aber mit viel 50-obwohl-eigentlich-100-erlaubt-ist-fahren den richtigen Weg nach Steinberg am See gefunden. Ja, so hieß der Ort an dem ich unter kam. Auch wenn irgendwie kein See in Sicht war.

Am Appartment(bzw. eher Wohnung, klingt aber weniger erhaben) angekommen, öffnete ein kleiner Jonas  im nicht-in-die-viel-zu-hoch-gezogene-Bundfalten-Hose-gesteckten frisch gebügelten Hemd und altmodischer Topffrisur und laufender Nase. Entgeistert starrte Jonas mich an und blieb im Eingang stehen . Unshclüssig fragte ich, ob sowas wie Eltern zu Hause sind. Wie paralysiert drehte Jonas sich um, woraufhin ich laut und deutlich seinen Namen erfuhr. „JOOOONAAAAS, I HAB DI DO GSOGT DU SOLL DI TÜÖ NI IMMA UFFMOCHA!“

Mit leicht skeptisch hochgezogener AUgenbraue blieb ich stehen und ahrrte der Digne die da kamen. Und plötzlich stand eine überraschend freundlich dreinschauende Frau in der Tür, während Jonas das Weite suchte. Sie erkundigte sich flüchtig danach, wie die Anreise verlaufen war und führte mich ins obere Stockwerk. Ich war viel zu müde und viel zu kaputt von der ganzen Aufregung, als dass ich den vielen Worten zur Wohnung und den Einrichtungsgegenständen hötte großartig Aufmerksamkeit schänken können und trottete mehr wie schlafwandelnd hinter der Hausbesitzerin her. Im „Gemeinschaftsraum“ (das Wohnzimmer) hockte erstmal ein ziemlich abgefuckter Typ mit seiner Bierflasche in der Hand. Er faselte irgendwas von „weiblichen besuch“, den man hier oben ja eher selten bekäme und schäkerte ein wenig mit der vorbeigehenden Hausbesitzerin. Das Zimmer war gar nicht so schlecht. Hohe Decke, „gemütlicher“ PVC-Boden, ein Ehebett, ein großer Schrank, n Tisch und 2 Stühle. Und natürlich zu wenig und völlig bekloppt verteilte Steckdosen. In Gedanken schon den Monitor und die Xbox gegenüber vom Bett aufbauend, nahm ich den Schlüssel entgegen und schleppte wenig später den mitgebrachten Krempel ins Zimmer. Nachdem ich die Klamotten grob in den Schrank geräumt und mich weitgehend einegrichtet hatte, ebshcloss ich dem Rest der Wohnung erstmal keine Beachtung zu schenken und meine Xbox auf zu bauen. In weiser Voraussicht habe ich nen PC-Bildschirm mitgebracht, weil ich wusste, dass der Fernseher a) nicht im Zimmer steht und b) von anderen mitgenutzt wird. Müde positionierte ich den Monitor auf dem Tisch und schloss die XBox an.

Aber halt!

Einem Lichtblitz gleich durchschoss mich eine vernichtende Erkenntnis, als der Stecker des Monitors auf das Adapterkabel der Xbox stieß….. Ich habe das VGA-Adapter vergessen….Und für alle, die sich darunter jetzt ein Fußballgroßes Gerät aus Kunststoff vorstellen, wo tausend Stecker und Buchsen herausquellen, mit einem meterlangen Kabel….nein, es handelt sich um http://www.weisd.com/store2/CABADP-1720.jpg sowas hier. Ein kleines Steckerchen, das nicht mal so groß war wie ´ne Batterie. Verfluchte Kacke! Fassungslos und viel zu müde, um einen mittleren Wutanfall zu bekommen, starrte ich auf das Ende des Kabels. Wie von weit her drang der Ton irgendeiner Wurstreportage aus dem neben an gelegenen Wohnzimmer durch die viel zu dünnen Wände. Wie in einer Art Flashback schossen mir Szenarien durch den Kopf, wie langweilig es nun hier werden würde. Weder Internet, noch PC, noch Bekannte/Freunde, noch (nutzloses weil ohnehin schlechtes Programm) Fernsehen…. Und es war erst halb 7 Uhr abends. Wieder ging das Handy meines Vaters. Am anderen Ende ein müder und grenzenlos genervter Sohn, der fragt, ob er nicht in seinem Zimmer nach dem Adapter suchen könnte, es müsse schließlich in einer der Schubladen sein…Eine Stunde später meldete der Vater sich wieder.

Ich hatte inzwischen meine Klamotten sortiert, den Wecker gestellt und sinnlos herumgesessen. Endergebnis: Er würde den Stecker Montag mit der Post schicken.

Angesichts der überwältigenden Langeweile, beschloss ich erstmal den Rest der Wohnung in Augenschein zu nehmen, der eigentlich nicht der Rede wert war. Küche, Scheißhaus und Wohnzimmer halt, die gemeinschaftlich genutzt wurden. „Gemeinschaftlich“, bedeutete, dass ich mir diese Räume mit zwei Mitbewohnern teilen sollte. Einer davon saß mit einer Flasche Bier im Feinrippmuscleshirt und Jogginghose auf der Couch und guckte sich gerade die Herstellung von Salami an.

„Lars“

meinte ich knapp und gab dem Typen die Hand. Dieser stellte sich als Helge vor und fragte mich wenig später, wo ich herkomme und was ich hier mache. Erst jetzt fiel mir der unfassbare sächsische Akzent auf.

Helge ist ein Leiharbeiter. Der bei ´nem bayrischen Autohersteller in der Nähe Sitze macht. Es vergingen keine 5 Minuten, bis er mir seine politische Ausrichtung mitteilte. Er käme ausm Osten und wenn’s anch ihm ginge, „hättens´die Mouer uch zweje meter höuer boue könne“. Mit andren Worten: Eigentlich  Unding, aber egal.

Den Rest des ersten Abends in Bayern verbrachte ich also mit pseudopopulistischen Aussagen, die auch aus der Bild oder ähnlichem hätten stammen können….garniert mit leicht rechtsradikalen Tendenzen. Kurz: Stammtisch-Gelaber…..achja und dem glohreichen Abendprogramm im TV, dass ich ab etwa halb 9 sogar selber bestimmen konnte, weil „Helge“ sich da aufs Ohr hauen musste. Im Laufe des Gesprächs fiel auch 2 oder 3 mal der Name „Thomas“. Thomas ist der andere Mitbewohner, doch den sollte ich erst am Mittwoch kennen lernen, wo ich schon gar nicht mehr daran gedacht hatte, dass es noch ´nen zweiten Mitbewohner gab.

29.9.07 14:06

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