The Pain

 

Was nun folgt, ist der zähe Ablauf des Alltages, der sich recht schnell einstellt und langsam aber sicher zu einem Brei aus Taubheit, Gleichgültigkeit und Automation verschwimmt. Man steht morgens auf, macht sich sein Brot für die Arbeit, geht arbeiten, kommt müde heim, macht sich wieder was zu essen,  schlägt Zeit tot und geht wieder pennen.

Das will ich eigentlich grob aus diesem Bericht ausklammern, aber die Hindernisse, die mir dabei in den Weg kamen, will ich trotzdem kur umreißen.

Das fängt schon morgens, genau beim Aufstehen an. Ich werde von einem Fußballkommentator geweckt. Gerade als dieser aufhört zu reden wie ein Wasserfall, kommt ein Fußballmoderator zu Wort, der wiederum eine Spielanalyse einleitet. Der Sender, auf den ich den Wecker am Vortag gestellt hatte, hat wohl doch nicht nur zum Zeitpunkt des Einstellens zufällig über Fußball berichtet….es schien tatsächlich ein Sender zu sein, der die ganze Zeit Fußball thematisiert. Gut für Leute mit Affinität zum Fußball, schlecht für Leute wie mich, die eigentlich von Musik geweckt werden wollten.

Aber egal. Erstmal aufstehen. Rein in die Klamotten und planlos durch die verlassen wirkende Wohnung laufen. Als ich irgendwie ein Brettchen und ein Messer gefunden hatte, fiel mir plötzlich ein, was ich noch vergessen hatte.

Eigentlich hatte ich genug Lebensmittel für die ersten Supermarkt-losen Tage mitgenommen….. Bis auf Aufschnitt und jeglichen anderen Brotbelag (Margarine ausgenommen, die hatte ich seltsamer Weise dabei) Der Rest lag nämlich noch zu Hause im Kühlschrank, wie mir schlagartig bewusst wurde.

Ratlosigkeit…..gepaart mit Zeitknappheit.

Als ich zur Arbeit aufbrach, hatte ich drei Toastbrote mit Wurst dabei, die ich mir von meinem Wohnungsgenossen geklaut hatte. (Im Kühlschrank war eigentlich nur Bier, Senf, mehr Senf, etwas Käse und ´ne Packung Bockwürste…. Außerdem ne Packung Schinkenwurst, die mir wahrscheinlich Gott himself aus Mitleid in den Kühlschrank gesandt hat.) Ich nahm mir ejdenfalls fest vor, das meinem Wohnungsgenossen zu beichten, wenn ich wieder kam.

Um wiederkommen zu können, muss man allerdings erstmal irgendwo hin gegangen oder gefahren sein. Und dies egstaltete sich gar nicht so einfach, wenn man berpcksichtigte, dass ich den Ort vorher ebstimmen wollte, zu dem ich wollte.

Mit anderen Worten: ich habe mich natürlich total verfahren. Die halbe Stunde, die ich für die nicht ganz 10 kilometer eingeplant hatte, war nun schon um 5 minuten überschritten. Ich würde zu spät zur Arbeit kommen, bei der ich zu diesem Zeitpunkt verzweifelt an rief. Ich stand irgendwo in der Pampa am Straßenrand. Natürlich mit Warnblinkanlage an. Abseits der unebenen Landstraße konnte man keine 2 Meter weit sehen, überall war Nebel. Um viertel nach 7 ging endlich die Dame vom Empfang ran, meinte ich hätte mich total verfahren und ich hätte ganz am Anfang eigentlich nur geradeaus fahren müssen, statt hundert mal sinnlos ab zu biegen.

Um halb 8 kam ich schließlich bei der Firma an. Nur zur Erklärung, der eigentliche und richtige Weg beinhaltet genau zwei Kreisverkehre, wovon man den einen auch noch nur gerade aus weiter fahren muss…. Der Rest ist Landstraße folgen…. Insgesamt vielleicht ne viertel Stunde fahrt.

Aber okay, der erste Arbeitstag konnte beginnen.

Da weder das Einscannen von Rechnungen in der Buchhaltung, noch das hundertmalige Beantworten der Fragen „Und, wie finden sie es hier im SCHÖNEN (und ja, das wird immer so betont) BAYERN so?“ und „Anreise gut überstanden“ und natürlich“ Wo sind sie untergebracht“ gefolgt von „Wie ist es?“, sonderlich spannend sind, überspringe ich dies hier einfach mal.

Nichtsdestotrotz muss man allerdings sagen, dass die Leute hier versuchen stets nett zu sein und man mir mit Rat und Tat zur Seite steht.

Bevor ich den Rückweg zur Wohnung antrat, ließ ich mich noch ins nahe gelegene Schwandorf lotsen, wo man – nur 10 km von der Wohnung entfernt – einkaufen konnte. Es gab in Form eines Gewerbegebiets eigentlich alles, von Supermarkt (Globus) über Baumarkt (Obi) bis zum Medimax und McDonalds eigentlich alles, was es hier halt auch gibt.

Bevorratet und halbwegs „nicht mehr ganz so orientierungslos“ überlebte ich also auch den zweiten Tag. Achja, Helge nahm die kleine Aufschnitt-Komplikation mit Fassung.

Am Mittwoch traf endlich der herbeigesehnte Adapter ein. (Und für alle Schlauberger, nein….der eben genannte Medimax hatte selbstverständlich NICHT einen solchen Adapter im Angebot) Ratz Fatz war wieder alles angeschlossen.

Doch als ich den Monitor an die Stromzufuhr anklemmen wollte, machte es plötzlich ZIPP und ein leicht verplanter Blick zum Wecker auf dem Nachttisch, sowie das „EYYY“ aus der Küche verrieten mir, dass wohl der FI draußen war. (Für die keine-Ahnung-haber: Die Sicherung halt). Gut, mit einem leicht peinlich berührten „Ich wars“, schlurfte ich in den Flur und legte den Schalter wieder um.

Meine erste Überlegung war, dass ich vielleicht das womöglich schwache Stromnetz überlastet habe, schließlich war da einer am kochen und das Fernsehen lief auch….außerdem das Radio in der Küche.

Man weis ja nie. Jedenfalls machte ich den Fernseher und alle anderen greifbaren Geräte aus und probierte es wieder. ZIPP Sicherung raus.

Ein Typ in Jogginganzug und Helge standen in der offen stehenden Zimmertür.

„Was machstn da?“

fragte der Jogger, der wohl dieser Thomas war.

In diesem Augenblick musste mein Zimmer wohl eher wie der Keller eines Klischee-PC-Nerds aussehen, der gerade dabei war, seine geheime „Kommandozentrale“ einrichtete.

Während ich also versuchte den beiden zu erklären, was eine Xbox ist, und dass ein CRT-Monitor kein Teufelswerk ist, dass Radios und Fernseher kaputt macht, ging mir auf, dass wohl die Sicherung des Monitors übern Jordan war…oder vlt. Doch n kurzer im Kabel (anm. d. Gequälten: Ein Kurzschluss im Kabel).

Seufzend schlug ich innerlich meinen Kopf wieder und wieder gegen die Wand und ließ die Xbox Xbox sein. Immerhin hatte dieser Heckmeck zur Folge, dass ich meine XBox an den Fernseher im „Gemeinschaftsraum“ anschließen und mich mit den Mitbewohnern auf eine Lars-nimmt-den-Fernseher-für-sich-in-Beschlag-Zeit einigen konnte.

Diese Lars-nimmt-den-Fernseher-für-sich-in-Beschlag-Zeit  erstreckte sich ungefähr von 17 bis 17.30 Uhr und von 20 bis lars-kann-vor-Müdigkeit-die-Augen-nicht-mehr-Aufhalten-Uhr

Zusammengefasst sah also mein Tagesablauf ab nun wie folgt aus.

Ich stehe auf und mach mich fertig für die Arbeit, fahre zur Arbeit, langweile mich zu Tode, fahre gegen 4 „nach Hause“, komme rein, rieche den Geruch von in der Luft hängendem kalten Zigarettenrauch und Nikotin, weil Helge eigentlich nichts anderes macht, als zu arbeiten, in der Küche zu rauchen und Bier zu trinken und anschließend pennen zu gehen. Ich gehe an der Küche vorbei, vorbei an Thomas, der in seinem lila Jogginganzug auf der Couch sitzt und bei einem Bier Gerichtsshows guckt, in mein Zimmer. Ich genieße die Ruhe und versuche den laut aufgedrehten „Sound“ von Richter Alexander Hold zu ignorieren und telefoniere mit der Heimat. Anschließend schaufele ich Cornflakes in mich hinein und setze mich ans nun freigewordene TV, bis Thomas wiederkommt und unbedingt Mutant X und Stargate auf Tele5 gucken will. Es folgt gelangweiltes herumsitzen, SMS schreiben und warten. Mit Thomas fernsehen ist übrigens keine Alternative. Ich halte es nicht aus mit diesem Typ in einem Raum zu sein, der rülpsend und fingernägel-kauend da sitzt und sich wie ein Zombie bewegt.

Anschließend habe ich den Fernseher und die Xbox wieder für mich alleine, genieße die Ruhe ab 8 Uhr, wenn meine Mitbewohner pennen und koche mir evtl. noch was, je nachdem wie müde ich bin. Anschließend falle ich totmüde ins Bett.


29.9.07 14:10

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