Freitag – Heimreisetag.

Der Plan ist einfach und brilliant. Ein Hin-/Rückfahrtticket für lächerlich günstige 197,- € bestellen, nach Schwandorf kommen, in den Zug steigen, nach Nürnberg fahren, in den ICE steigen, nach Köln fahren, abgeholt werden, glücklich sein.

Soweit der Plan.

Die Praxis gestaltete sich minimal anstrengender und nervenaufreibender. Zu aller erst ist der Höllenritt nach Schwandorf zum Bahnhof zu erwähnen. „Klar“ sagt der Azubikollege. „ich fahr voraus, fahr mir einfach nach.

Und wenig später versuchte ich einem Golf mit Turbolader hinterher, der mit 100 über eine bucklige Landstraße preschte auf der eigentlich nur 60 und stellenweise 80 erlaubt war (zu recht. Auf der Straße will man eigentlich nicht schneller fahren). Angesichts dieser Motirisierung im Alter von gerademal 18 Jahren liegt eigentlich der Schluss nahe, dass die Karre sponsored by Pappi ist und der Fahrstil kein Fahrstil sondern blanke Idiotie gekoppelt mit Unerfahrenheit und Leichtsinn ist….und nebenbei der Grund dafür, dass unsereins monatlich 80€ KFZ-Versicherung zahlen darf. (Für die langsamen: Höheres Unfallrisiko in einer bestimmten Altersgruppe -> hohe Versicherungskosten)

Nebenbei war es im Strömen am regnen und neblig. Aber egal. Irgendwie kam ich schließlich beim Park ´n Ride Parkplatz des Bahnhofs an und stellte erleichtert meine Karre ab. Ab jetzt hieß es schließlich „entspannt“ Bahnfahren.

Mit einem gewohnten sanften KLACK verriegelte die Zentravlverriegelung mein Auto. Routiniert wandte ich mich vom Auto ab. „KLACK“ machte es wieder. Ungläubig drehte ich mich um. Wieso waren denn die Stifte wieder oben? (Diese Dinger in der Tür, die rauf gehen wenn auf is und runter, wenn zu is… ) Wieder den Schlüssel ins Schloss und abgeschlossen. Die Stifte verschwanden wieder in der Versenkung…..um etwa 2 Sekunden später wieder hervor zu springen. Mein Auto schloss sich selbstständig, wie zum trotz, wieder auf.

Auch der 137. Versuch, sich mittels Augenschließen-und-bis-5-zählens an einen anderen Ort zu transportieren scheiterte. Ich bildete mir ein, ein hämisches Lachen aus der Ferne zu hören, drehte mich um und sah nur einen alten Herrn mit Schirm durch den strömenden regen marschieren. Er nahm keinerlei Notiz von mir. Wutentbrannt schlurfte ich zur Beifahrertüre….keine Besserung. Wieder rief ich meinen Erzeuger an. „Ist eine der Türen irgendwie blockiert und schließt nicht richtig?“ Ist der einzige –wenn auch gut gemeinte – Vorschlag. Mir rannte die Zeit davon. In 10 Minuten (Ja, wie Herr Stoiber sagt, sie steigen IN den Hauptbahnhof ein!) würde mein Zug Richtung Nürnberg kommen.

Ich ließ den Wagen einfach stehen, mit „scharfer“ Alarmanlage, aber komplett offen. Ich hätte die Karre eigentlich auch direkt vor das Bahnhofsgebäude stellen können und mit großen weißen Buchstaben „Demontier mich und vergiss nicht, das Radio und die Boxen mit zu nehmen“ auf den roten Lack schreiben können.

Mit dem großen Koffer an der einen Hand, den Rucksack auf dem Rücken und dem Schirm in der anderen Hand, eierte ich über den randvollen Parkplatz (ich hoffe einfach mal, dass die da stehen bleiben übers Wochenende…dann fällt mein Auto net so auf… ) zum Bahnsteig. Was nun folgte, war eigentlich auch nicht mehr der Rede wert. Außer, dass ich nicht gedacht hätte, dass eine Stadt wie Nürnberg (die an der Autobahn als „Metropolenregion Nürnberg“ mit x Schildern angepriesen wird) so einen abgefuckten Bahnhof haben kann. Dreckig, nur teilweise überdacht und zugig. Habe mir den Arsch abgefroren und als der ICE endlich kam, stand ich durchfroren und durchnässt neben einer Infotafel und stolperte zähneklappernd durch die Menschenmenge.

Okay, vielleicht hätte ich einfach eine dickere Jacke mitnehmen sollen. Aber das weis man doch nicht, wenn man in strahlendem Sonnenschein bei 18 grad nach Bayern fährt…

Außerdem bleibt noch hinzu zu fügen, dass ICE fahren viel unspektakulärer ist, als gedacht. Irgendwie so ähnlich, wie in einem Reisebus mit Steckdosen an den sich-automatisch-der-sitzhaltung-anpassenden-Sitzen, und komischen abgefuckt aussehenden Anzugträgern, die mit Blackmusic in den Kopfhörern irgendwelche SAP-Powerpointpräsentationen zusammenklicken…..die halt mit 300 durch die Landschaft fahren. Ohne Fahrgeräusche.

Um halb acht Abends nahmen mich dann meine Eltern am Kölner Hbf in Empfang. Und jetzt sitze ich hier….im trauten Heim….ohne Zigarettendunst an meinem eigenen PC mit Internetzugang und schreibe dies hier alles auf, um nicht alles hundert Mal erzählen zu müssen.

Und eins weis ich…..ich will da nicht wieder hin…

Ich hoffe, dass diese restlichen 3 Wochen schnell vorüber gehen und zähle die Stunden…nein, eher Sekunden, bis ich wieder da hin muss.elg

29.9.07 14:12

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